RECAP: SXSW 2017 – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ NICHT AUFZUHALTEN

Der letzte Wechsel liegt beinahe zehn Jahre zurück. Der nächste steht, so auch die Diskussion auf dem South by Southwest (SXSW) 2017, unmittelbar bevor. Die Rede ist von einem Paradigmenwechsel in der Mensch-Computer-Interaktion.

Als vor etwa zehn Jahren das erste iPhone vorgestellt wurde war das der Beginn der Touchscreen-Generation. Die nächste Generation an Heranwachsenden wird, mit der gleichen Selbstverständlichkeit der vorherigen, eine andere Form der Interaktion mit den omnipräsenten technischen Begleitern eingehen: Der Steuerung mittels Sprache. Ein Blick auf die Generation „Speech first”, Zero-UIs, Künstliche Intelligenz (KI) sowie automatisierte Helfer im Alltag.

Doch von vorne: Zwischen 2009 und 2012 ist die Fehlerrate in Conversational Speech auf unter 10 % gesunken, die des Menschen liegt bei ca. 5 %. Dies und der Boom der Messaging Apps, die inzwischen klassische Social Media wie Facebook und Twitter überholt haben, sind zwei ausschlaggebende Faktoren für die Verbreitung von KI-Angeboten im Mainstream.

Aber nicht ganz so schnell. Eigentlich haben wir KI immer als etwas abstraktes, aber potenziell gefährliches verortet. Dazu passt dieses Beispiel:
KI hat das Twitter-Profil einer Frau ausgelesen und analysiert über welche Themen sie tweetet, worauf sie reagiert, welche Events sie besucht und wo sie sich gerade aufhält. Diese Daten konnten durch die KI genutzt werden, um die Frau zu manipulieren. Dazu hat sie selbständig einen Tweet verfasst, der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit das Interesse der Frau getroffen hat und sie so dazu verleitet, auf einen Link in dem Tweet zu klicken. Man stelle sich jetzt vor, diese KI würde das millionenfach wiederholen und sich ein Virus hinter dem Link verstecken.

Die Medienproduktion bleibt jedoch auch nicht unberührt. So kann KI genutzt werden, um z. B. die Mimik einer Person während einer Live-Übertragung zu ändern. Dies geschieht, indem ein Schauspieler parallel gefilmt wird, der die gewünschte Mimik zeigt. KI manipuliert mit diesen Daten das Live-Bild und kann so komplette Aussagen in einen anderen Kontext legen.
Aber nicht nur die manuelle Manipulation von Medien wird durch KI erleichtert, sie ist auch in der Lage, aus Hand- und Fingerbewegungen Gesten und aus Gesichtszügen Mimiken zu lesen und zu interpretieren und daraus zu lernen Menschen zu verstehen.
Hollywood ist dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen: Den Trailer zum Film Morgan hat eine KI erstellt. Dazu wurde „Watson“ von IBM vorher mit zahlreiche Beispiel-Trailern gefüttert, durch die die KI die relevanten Muster lernen konnte. Das Ergebnis ist beeindruckend: https://www.youtube.com/watch?v=gJEzuYynaiw
Noch nicht umsetzbar, aber kurz vor dem Durchbruch ist die Erstellung von Video-Content auf Basis von Fotos. KI wird ein Foto interpretieren und daraus 1-2 sekündige Clips erstellen können.

Bei so viel Power ist auch wenig verwunderlich, dass die KI „Alpha Go“ den stärksten Go-Spieler der Welt, Lee Sedol, schlagen konnte. Schließlich gibt es bei dem Spiel mehr Möglichkeiten zu ziehen als es Atome im messbaren Universum gibt. Sedol hat sich anschließend geäußert, dass er sich hilflos gefühlt hat.
Doch wie sieht es dann beim Poker aus? Hier sind zum einen die Karten der Gegner unbekannt und zum anderen spielen menschliche Faktoren wie Täuschen und Bluffen eine große Rolle. 2017 hat die KI „Libraturs“ vier Poker-Champions geschlagen und ihnen 1,76 Millionen Dollar abgeknöpft.

Das löst nicht nur in uns ein mulmiges Gefühl aus. Bereits 2015 haben Stephen Hawking, Elon Musk und Bill Gates vor Künstlicher Intelligenz gewarnt.
Die größten an KI forschenden Unternehmen haben sich deshalb unter der Vereinbarung „Tenets“ verpflichtet, offen zum Thema zu forschen und den Dialog über ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Aspekte zu fördern. Hierzu zählen Unternehmen wie z. B. Google, Microsoft, Apple, Amazon, Facebook und IBM.
Eric Horvitz, der zum Thema KI leitende Forscher bei Microsoft, ist der Überzeugung, dass KI unser Leben zwar schneller als gedacht grundlegend verändern, uns aber nicht wie in Science Fiction Filmen töten wird.
Ähnliches sagt auch eine Demandbase Studie von 2016 aus. So erwarten Marketing-Entscheider, dass Künstliche Intelligenz das Marketing bis 2020 revolutionieren wird. Bei diesem Thema wollen wir auf jeden Fall dabei sein und wappnen uns.

Doch was wird sich jetzt genau verändern? Werden alle Marketing Jobs überflüssig und durch künstliche Intelligenzen ersetzt werden?
Kurz, knapp und beruhigend: Nein! Die Frage ist nicht „wird dieser Job automatisiert?“, sondern „wird diese Aufgabe innerhalb des Spektrums eines Jobs automatisiert und kann der ausführenden Person so zugearbeitet werden, dass diese den gesamten Job besser macht“.

Es gibt drei mögliche Szenarien, wie sich künstliche Intelligenz auf Jobs auswirken wird. Die einen werden ersetzt werden (zuerst alle einfachen, repetitiven Tätigkeiten). Die anderen werden durch KI verbessert werden (z. B. Mediaplanung, Kampagnen-Optimierung). Im dritten Szenario schafft KI neue Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle, um die herum neue Jobs entstehen, die wir heute noch gar nicht kennen.

Die mächtigste Kombination für einen Job: Mensch + Maschine! Die Vorteile der Maschine sind u. a.: Datenanalyse und das Erkennen von Mustern. Die Vorteile des Menschen sind das Verständnis von Emotionen, Empathie, Ethik und des sozialen Kontext.
Beispiel: Ein Autofahrer, der von einem Ende New Yorks zum anderen fahren möchte, ist verrückt, wenn er kein Navigationsgerät nutzt, dass die Verkehrslage berücksichtigt. In wenigen Jahren vertrauen wir keinem Arzt und keiner Krankenschwester mehr, die keinen Bot haben, der sie unterstützt und laufend mit Informationen zum Patienten und den nächsten Behandlungsschritten versorgt und darauf hinweist, wenn ein Schritt vergessen oder übersprungen wurde.

In Anbetracht dieser Vorteile wird sich künstliche Intelligenz nicht mehr aufhalten lassen. Um die doch gewaltigen Risiken zu minimieren und die Entwicklung für sich und das eigene Unternehmen bestmöglich nutzen zu können, ist es geboten, sich intensiv mit den Möglichkeiten und Gefahren auseinanderzusetzen und die besten Anwendungsfälle zu identifizieren.
Welche das konkret sein können, darauf gehen wir im zweiten Teil unseres SXSW-Recaps ein und beleuchten einmal die Themen (Chat-) Bots und Voice Interfaces. Bleiben Sie dran!

Wenn Sie Interesse haben, das Thema im persönlichen Gespräch zu vertiefen, wenden Sie Sich gerne an unsere Kollegen Julian BühlerThomas Schmudde, und Claudio Diaspero, die vom 10.-15. März auf der South by Southwest (SXSW) in Austin, Texas, waren.